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CRAUSS
sucht arbeit


dass die allermeisten kunst- und kulturschaffenden oft dauerhaft in prekären, unterbezahlten verhältnissen leben - selbst jene bekannteren, bei denen man allein wegen des renommées ein gesichertes einkommen hinzudenkt - ist nichts neues. überraschend eigentlich jeweils die verwunderung im feuilleton, dass die wenigen ernsthaften versuche, die die europäischen staaten bisher unternommen haben, entweder im sande verliefen oder zumindest nicht recht griffen. politisch mag man von diesem oder jenem vorstosz privater oder öffentlicher natur halten, was man möchte, dringend bleibt aber, möglichst mehr als eine lösung nach schema zu finden.

erfreulich das nachdenken des orf über das finanzielle desaster, mit dem künstler oft ein leben lang zu kämpfen haben und das ungehörig viel energie von dem abzieht, was künstler eigentlich tun sollten: bilden (nicht nur objekte und flachkunst, sondern im weiteren, edukativen sinn durchaus auch ihr publikum), komponieren, schreiben, präsentieren. hoch anzurechnen ist aber beispielsweise auch leuten wie Florian Voß, einmal klartext zu sprechen: "In dieser Woche verkaufte ich genau ein Exemplar (und ich weiß auch an wen) - der Gewinn betrug zwei Euro." oder: "Ich habe bislang vier Bücher veröffentlicht. Drei Gedichtbände, die sich jeweils in 150, 70 und 110 Exemplaren verkauft haben (und das ist die brutale Wirklichkeit). Ein Roman, der in einer Auflage von 3000 Stück gedruckt wurde, der aber nur 380 mal über den Ladentisch ging. [...] Verdient habe ich mit dem Schreiben in den letzten zehn Jahren – Lesungshonorare inbegriffen – keine 5000 Euro. Ich bin jetzt 43 Jahre alt. Ich schreibe seit mehr als dreißig Jahren."

ichselbst habe in den letzten jahren, abgesehen von einer kleinen brauerei, keinen privaten wie öffentlichen veranstalter getroffen, der das vom schriftstellerverband empfohlene honorar von 350-400 euro pro veranstaltung und autor zahlen konnte oder wollte. in siegen, meiner heimat (und nicht nur dort), ist es so, dass selbst veranstalter, die sonst eine gute plattform für literatur boten, nicht mehr als 100-150 euro bezahlen können (auf arbeits- und produktionszeit darf man das ohnehin nicht umrechnen...), sondern angebot und vergütung eher noch weiter einschränken. man setzt auf studentischen enthusiasmus und selbstorganisierte no-budget lesungen, oder man veranstaltet poetry slams, was geld bringt (dem veranstalter, selten den beteiligten), mit literatur jedoch nichts zu tun hat.

meine situation derzeit: pleite im minusbereich. meine dozentur mit lehrauftrag an der uni kann ich nicht fortlaufend durchführen, da der bedarf an kursen wie kreatives schreiben nach einer matrix berechnet wird, die nichts damit zu tun hat, was die studenten aktuell tatsächlich belegen wollen oder müssen. konkret: im winter 2015/16 gehts vielleicht weiter (mit wievielen kursen überhaupt, ist fraglich, kann sein drei, kann sein einer; also nicht planbar), im sommer 2015 jedoch ist zunächst ganz aussetzen angesagt. das gleiche gilt für meine "schreibferien", die ich gelegentlich in italien durchgeführt habe (und das auch im mai 2015 vorhatte). der schöne veranstaltungsort am südlichen lago maggiore ist aber nicht mehr zugänglich, da sich die herbergseltern leider getrennt haben und mir weitere kontakte nach italien mangeln.

ich habe vier jahre lang als bürokraft - gerne und auch gut, glaube ich - in einem mittelgroszen handwerksbetrieb gearbeitet. durch veränderungen in der firmenstruktur kann ich nunmehr jedoch nur noch sporadisch ein paar stunden aushilfsweise leisten. bei der bundesagentur habe ich mich arbeitssuchend gemeldet; gibt man als suchkriterium dort "büro" an, wird man in den meisten fällen an finanzdienstleister weiterverwiesen, die unter büroarbeit verstehen, zuhause am telephon fremden menschen versicherungen zu verkaufen, die sie nicht brauchen. tatsächlich kann man - besser und ausführlicher als noch vor etwa fünf jahren - auch suchkriterien wie "künstler" oder "schriftsteller" angeben: es treffen daraufhin angebote für stellen als online-redakteur von reklameportalen oder als suchmaschinenoptimierer ein. ich brauche eine brotarbeit, schöner wäre aber etwas naheliegenderes.

CRAUSS
sucht brotarbeit. möglich wäre etwa folgendes:

tipps, ideen und konkrete angebote sind herzlich willkommen an die mailadresse crauss ät crauss punkt com




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