BERLIN, SAGST DU, mein freund, soll man aufhören,
wenns am hässlichsten wird: im sommer. soll man,
wenn die penner auf den bänken nicht mehr friern & nur noch aussehn wie
lagernde im park, wie badende beinah in einem meer von selbst genügsamen;
wenn die hunde scheisse wieder an den sohlen haften bleibt, anstatt zu gefrieren
& die schwulen [mein freund, sagst du, die halbe stadt ist schwul, gib acht darauf!
oder sie stinkt] -
wenn die in der sonne zerfliessen wie der durchfall vom hund;
wenn die ubahnen grundlos stehenbleiben in den tunneln & die kinder lauter
schreien als noch im winter & überhaupt
die ganze stadt schrill kreischt & fiept, als entgleis/se sie, besonders
in den christopher-street & love-parade-tagen oder all den anderen sinnlosen
demonstrationen, strassen- & kulturbegegnungsfesten, die längst nicht mehr montags
stattfinden;
wenn dann der lichtgehalt der luft höher liegt als ihr smog & selbst die nacht [mein
zuhause, sagst du, wie deins auch] nicht mehr das scheint, für was wir sie immer
halten wollten die ganze dunkle jahreszeit entlang;
wenn die viel zu kurzen nächte heller als die endlos öden tage werden, sagst du,
aufhörn. & machst weiter & schwitzt dir die stadt
wie eine krankheit aus dem leib & fliehst & spürst den schnürenden schmerz
einer abgelegten fessel & bemerkst nicht, dass sie sich dir längst wieder anlegt in dem
leisen heim
weh der fremde, dass du sie im grunde nie verloren hast, nie loswerden kannst, selbst
wenn das geschwür an deinem gelenk danach brennt,
während ich hier bleibe & mich wohlig wund
reibe an deinem schmerz, der das phantom meiner seele ist.